Shopsystem-Vergleich für Profis: Welches System ist das beste für den Mittelstand?

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Deutschland und die Digitalisierung – das hat ja immer ein wenig von Teufel und Weihwasser. Im Digital Economy and Society Index der Europäischen Kommission etwa landen wir europaweit nur auf Platz 13. Zugegeben: Schuld an diesem durchwachsenen Ergebnis hat teilweise unsere öffentliche Verwaltung. Allerdings humpelt auch die Wirtschaft den Klassenbesten ordentlich hinterher. Denn woraus besteht die deutsche Wirtschaft? Mit einem erschlagend großen Anteil von 99,4 Prozent aus kleinen und mittelständischen Unternehmen – und deren Digitalisierungsgrad ist mit einem Wert von 59 von 100 Punkten laut dem Digitalisierungsindex Mittelstand auch nicht gerade berauschend. Höchste Eisenbahn also, etwas gegen diesen Missstand zu unternehmen. Am besten in dem Bereich, von dem wir am meisten Ahnung haben: Onlineshops. In diesem Beitrag gehen wir in den intensiven Vergleich: Welches Shopsystem ist wirklich das beste für den deutschen Mittelstand? Und damit du nicht gleich „Foul“ rufst, weil wir bekanntlich eine Shopify-Plus-Agentur sind, haben wir uns einen neutralen Referee mit an Bord geholt: Axel Rüweler von denkteich berät und unterstützt seit über zehn Jahren Unternehmen auf ihrem Weg in die digitale Zukunft. Axel, dürfen wir bitten?

 

Erste Auslese: Welche Shopsysteme kommen für Profis überhaupt infrage?

Selbstverständlich können wir nicht über alle Shopsysteme reden, die sich am Markt tummeln. Das wären entschieden zu viel.  Allerdings geht es hier ja auch um Software für den Mittelstand – also Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitenden und 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Da mit einem Shopbaukasten à la Squarespace um die Ecke zu kommen, wäre ein wenig albern. Wir beschränken uns daher auf die Big Five:
  1. Shopify Plus: Das kanadische System; unter anderem genutzt von Westwing und Sodastream.
  2. Shopware: Ein System aus Deutschland; unter anderem genutzt von Stabilo und Armedangels.
  3. Magento: Inzwischen zu Adobe gehörend; unter anderem genutzt von WMF und Brille24.
  4. Salesforce Commerce Cloud: Aus den USA; unter anderem genutzt von Takko und L’Oréal.
  5. Novomind iSHOP: Ebenfalls aus Deutschland; unter anderem genutzt von CBR (Cecil und Street One) und C&A.

Immer im Hinterkopf: Grundsätzliche Auswahlkriterien

Fünf Möglichkeiten, direkt gefolgt von fünf Kriterien, die dem einen oder anderen Kandidaten direkt den K.-o.-Schlag versetzen könnten. Denn wenn sich ein Unternehmen für ein Shopsystem entscheidet, spielen sie immer eine Rolle:

Kriterium #1: On-premise oder Cloud?

Shopify (Plus) existiert nur als Software-as-a-Service (SaaS) in der Cloud, Novomind iSHOP versucht einen Spagat, Shopware lässt sich auch weiterhin auf dem eigenen Server im Keller hosten. Welche Lösung ist die beste? Laut Axel für die meisten mittelständischen Unternehmen tatsächlich die reine Cloud-Variante, denn die ist nicht nur mit dem geringsten Aufwand und damit den geringsten Kosten verbunden, sondern auch mit den kleinsten Risiken: Server selbst bereitzustellen kommt finanziell wie logistisch nur für wenige Unternehmen infrage. Kein ITler arbeitet für den Mindestlohn, vor allem dann nicht, wenn in seinem Arbeitsvertrag steht, dass er auch nachts und am Wochenende den brennenden Server zu löschen hat. Hybride Lösungen, die zwar Cloud anbieten, aber auf eine externe Infrastruktur setzen, bergen das von uns so getaufte Behördenmentalitätsrisiko: Wenn irgendwo etwas schiefgeht, zeigt jeder auf den anderen und keiner will es gewesen sein. Verantwortlichkeit wird weitergeschoben. Am besten ist deshalb die Cloud-Variante, bei der der Shopanbieter sich auch um die Infrastruktur kümmert. Denn nur so kann gewährleistet werden, dass Unternehmen auch ohne eigene IT adäquat skalieren können und es im Notfall einen zentralen Ansprechpartner gibt. Lediglich für Unternehmungen, die auf besonders individuelle Lösungen mit großem Custom-Code-Anteil setzen, empfiehlt unser Experte die On-premise-Variante. Natürlich immer vorausgesetzt, im eigenen Unternehmen findet sich ausreichend Expertise.

Kriterium #2: Die Systemlandschaft

Ebenfalls oft entscheidend ist die Frage, welche externe Software an den neuen Shop angeschlossen werden soll. Welches Mailsystem wird genutzt? Welches ERP ist im Einsatz? Für etablierte Softwarepakete existieren bereits oft Lösungen; für andere – oder besonders komplexe Anwendungsfälle – muss erst etwas entwickelt werden. Dabei rät Axel dazu, das Pferd nie von hinten aufzuzäumen: Kein Mensch hat sich jemals für einen Einkauf in einem Store entschieden, weil die Warenwirtschaft besonders elegant eingebunden werden konnte. Wichtig ist, was die Kund:innen zu sehen bekommen, nicht, was hinter den Kulissen passiert. Daher lieber darauf achten, dass der Shop der Wahl ein vernünftiges CMS besitzt und etwa auch Blogbeiträge fürs Content-Marketing unterstützt, und nicht darauf, ob der Datentransfer zum ERP in fünf oder sechs Millisekunden über die Bühne geht.

 

Und wenn vorhandene Connectoren nicht ausreichen, kann eine Schnittstelle ganz einfach gebaut werden. Zu deiner individuellen Schnittstelle

Kriterium #3: Kosten

Was beim ersten Hören wie das eine Totschlagargument für oder wider ein Shopsystem spricht, ist laut Axel gar nicht mal so entscheidend. Solange sich  ein Shopprojekt einigermaßen im zuvor gesteckten Finanzrahmen eines Unternehmens bewegt, spielt die Kostenfrage nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings empfiehlt unser Digitalisierungsprofi, nicht nur die initialen Ausgaben zu betrachten. Besser ist eine Kalkulation der Investitionsausgaben (CAPEX) über die ersten drei Betriebsjahre eines Shopsystems. Nur so lässt sich eine realistische Einschätzung vornehmen.

Kriterium #4: Time to Market

Auch bei der Frage nach der Zeit bis zum Launch ihres Shopsystems zeigen sich deutsche Unternehmen Axels Erfahrung nach oft gelassen. Bei denkteich beträgt die durchschnittliche Time to Market meist ein Jahr (von Start der Auswahl bis Go-live) – ohne dass es deswegen große Wehklagen gäbe. Allerdings gibt unser Profi auch zu bedenken, dass sich seine Agentur meist um sehr komplexe Projekte kümmert. Wer einfach nur etwas Dropshipping machen möchte, geht nicht zu denkteich. Das deckt sich mit unseren eigenen Erfahrungen: Vielen Unternehmer:innen ist bewusst, dass Sonderwünsche Zeit brauchen. Völlig neue Funktionen aus dem Boden zu stampfen, geht einfach nicht über Nacht; es ist ein Prozess, der überwacht und kontrolliert werden muss. Ohne Extrawürste dagegen sollte die Time to Market keine zwölf Monate in Anspruch nehmen. Viele Unternehmen koppeln auch ein Re-Plattforming mit einem internen Change-Projekt, was die Komplexität und das Risiko erhöht. Gerne werden neue Rollen oder Verantwortungsbereiche geschaffen. Und in gut laufenden Shops muss der bestehende Betrieb auch weiterhin gewährleistet sein. Hier kann externe Hilfe für eine schnellere Time to Market und gegen unendliche Projekte helfen.

Kriterium #5: Verkaufspsychologie

Zuletzt wird es ein wenig klischeehaft. Aber es gibt sie noch überall, die hemdsärmeligen deutschen Unternehmen, in denen die Bestellungen per FAX eingehen und die Nadeldrucker rattern. Deshalb immer darauf achten, wer da gerade Interesse an einem Shopsystem hat. Der Babyboomer-Chef kann mit SaaS wahrscheinlich wenig anfangen. Wenn ihm dann noch erzählt wird, dass er sich APIs und Warenwirtschaft einfach aus dem App Store herunterladen kann, ist er ganz raus. Die smarte Unternehmensleitung aus der Generation Y schiebt dagegen auch privat Fotos in die iCloud und hat sich damit abgefunden, dass Windows jetzt Apps zu Programmen sagt. Vor allem aber ist sie dankbar für Lösungen, die sich selbst updaten, keine Ressourcen binden und oft einfach schon da sind. Aber Obacht: Der Übergang zwischen diesen Personas ist zwischen den Geburtenjahrgängen '69 und ’79 fließend.  

Use Cases: Vier Anwendungsfälle und ihre besten Shopsysteme für den Mittelstand

Von der Theorie direkt weiter in die Praxis. Wir haben unserem Experten vier unterschiedliche Szenarien vorgestellt und ihn gefragt, welches Shopsystem für welchen Fall die ideale Lösung darstellt. Bestimmt erkennst du dich auch in einem der Cases wieder.

Case #1: Brand mit hohem DTC-Anteil und internationalem Markt

Das richtige Shopsystem hängt hier insbesondere von der Philosophie ab, die ein Unternehmen fährt. Ist man dort eher „konzernig“ unterwegs – hat also klare Top-down-Hierarchien – dann ist die Salesforce Commerce Cloud die richtige Antwort. Denn mit der lässt sich die Internationalisierung nicht nur wunderbar bewerkstelligen, der Chef bekommt auch die Durchwahl für den eigenen Key-Account-Manager den er 24/7 mit seinen Fragen nerven darf. Allerdings hat die Salesforce auch ihren Preis. Besagten Key-Accounter gibt es erst ab 500 Mitarbeitenden; Agenturen, die sich auf Commerce Cloud spezialisiert haben, sind rar gesät und fordern einen entsprechenden Stundensatz. Für alle Unternehmen ohne Marmorboden in der Führungsetage bietet sich daher meist Shopify Plus als Alternative an. Auch dort ist alles auf die effiziente Internationalisierung ausgerichtet. Die persönliche Betreuung gibt es auch ohne DAX-Eintrag, und günstiger ist es obendrein.

Hier ist die Antwort: Shopware. Denn dort gibt es die B2B-Seller-Suite, die sich auf genau diesen Anwendungsfall spezialisiert hat. Mit ihrer Hilfe lassen sich auch hochspezialisierte B2B-Cases abdecken. Denke hier zum Beispiel in Richtung eines Walzwerkes, das Profildrähte als Meterware verkauft und die tagesaktuellen Schrott- und Legierungszuschläge in seine Preisberechnung einbeziehen will. Sollte der B2B-Use Case allerdings weniger komplex ausfallen, führt der Weg auch hier meist zu Shopify Plus. Denn weniger komplex wird es in der Regel genau dann, wenn ein Unternehmen nicht nur als Großhändler fungiert, sondern den B2B-Shop zusätzlich zum B2C-Shop anbieten möchte. Genau diese Option wird in Shopify Plus bereits vollständig abgedeckt. Ganz ohne Aufpreis, dafür aber mit allen relevanten B2B-Funktionen, wie Nettopreisen, Umsatzsteuer-ID und Kundenkonten. Und dann ist da das unschlagbare Argument einer Shop-Verwaltung in einem System für B2B und B2C. 

Case #3: Mittelständler, der seinen ersten eigenen Onlineshop aufbauen will

Irgendwann findet jede:r ins Netz – seien es Nahversorger, die erst eine Pandemie benötigten, um auf die Idee mit einem eigenen Onlineshop zu kommen oder finanziell großzügig bestückte Start-ups. Welches Shopsystem dann das beste ist, richtet sich nach der inneren Einstellung: Wer die Dinge gern selbst in der Hand behält, den Anblick des eigenen Serverraums genießt oder SaaS einfach misstraut, installiert sich Shopware in der On-Premise-Variante. Nötig dafür sind allerdings die entsprechende Hardware und die Betreuung durch jemanden, der sich mit dieser Hardware auskennt. Diejenigen, die ihre digitalen Produkte nicht unbedingt auf der eigenen Festplatte wissen müssen, entscheiden sich dagegen für Shopify Plus. Denn von unseren fünf Kandidaten ist es für Anfänger:innen im E-Commerce einfach am besten geeignet: kurze Time to Market, geringe CAPEX, nach oben frei skalierbar – von Shopify Basic bis Shopify Plus (hin zu Shopify Enterprise).

Case #4: Skalierendes Unternehmen, das bereits mehr als 10 Millionen € Umsatz online macht

Okay, langsam wird es sogar uns ein wenig unangenehm, denn schon wieder lautet eine der Antworten Shopify, denn hier finden erfolgreiche Unternehmen alle SaaS-Vorteile für ihren hohen Kurs. Wir können schließlich auch nichts dafür, wenn Unternehmen, die noch zu klein für die Salesforce sind, von den Kanadiern einfach am besten bedient werden. Allerdings schlägt Axel auch den Novomind iSHOP als lohnenswerte Alternative vor. Gerade dann, wenn ein Unternehmen viel Wert auf Custom Solutions legt, gleichzeitig aber auf die Vorteile einer Cloud-Lösung nicht verzichten will. Daher: Soll es einfach funktionieren, führt der Weg zu Shopify Plus. Sind dagegen extravagante Sonderfunktionen geplant, dann ruf gerne mal in Hamburg an.

Zukunftsvisionen: Was ist von den Shopsystemen in zehn Jahren zu erwarten?

Zuletzt richtet sich unser Blick nach vorne. Denn mit dem Shopsystem seiner Wahl soll ein Unternehmen schließlich dauerhaft glücklich werden. Migrationen kosten Zeit, Geld, Nerven und machen im schlimmsten Fall nichts besser. Um die Frage nach der Zukunftssicherheit der einzelnen Shopsysteme eindeutig zu beantworten, verweist Axel auf das Research & Development Budget unserer Kandidaten – und dabei tun sich zwei unter ihnen besonders hervor: Salesforce Commerce Cloud und Shopify. Die geplanten Ausgaben für R & D in 2025 belaufen sich bei Salesforce auf 5,5 Milliarden US-Dollar. Dabei ist allerdings zu beachten, dass das Unternehmen nicht allein als Anbieter von Onlineshops tätig ist. Unterschiedlichste Abteilungen müssen sich dieses Budget teilen. Daher klingen die 1,1 Milliarden US-Dollar, die Shopify in Forschung und Entwicklung des E-Commerce-Systems investiert, überaus bemerkenswert. Schließlich fließt dort jeder Cent direkt in noch bessere Onlineshops. Etwas anderes bieten die Kanadier nämlich gar nicht an. Die drei anderen, also Magento, Shopware und iSHOP, können da einfach nicht mithalten. Selbst Shopifys 1,1 Milliarden sind ein Vielfaches dessen, was diese Unternehmen insgesamt umsetzen. Permanenter technologischer Fortschritt, mutige experimentelle Ideen und ein stets aktueller Store sind also vor allem bei Salesforce und Shopify zu erwarten. Der Rest paddelt im Fahrwasser hinterher.

 

Das Fazit: Welches Shopsystem ist denn nun die beste Wahl für den Mittelstand?

Aus all diesen Informationen ergibt sich das folgende Bild: Shopware eignet sich vor allem für B2B-Stores mit komplexem Pricing. Als On-Premise-Version ist es außerdem eine passable Lösung für alle, die gerne die Kontrolle behalten oder an Custom Code schrauben können und wollen. Magento fand in unserem Beitrag kaum Erwähnung. Leider können wir uns des Eindrucks nicht erwehren, dass Adobe nicht genau weiß, was es mit dem System anfangen soll. Momentan riecht es ein wenig nach: irgendwie abwickeln. Salesforce Commerce Cloud kann viel, ist mächtig, hat aber auch seinen Preis – sowohl in der Anschaffung, der Entwicklung als auch im Unterhalt. Denn die Salesforce ist eher in Konzernen jenseits des Mittelstands zu Hause. Novomind iSHOP ist ein spannender Hybrid aus Cloud-Strategie und Individualisierungsmöglichkeiten. Hier sind Unternehmen richtig, die Ungewöhnliches planen und abgespacete VR-KI-IoT-Shops basteln wollen. Shopify Plus hält überall mit, hat oft die Nase vorn und überzeugt in fast allen Disziplinen. Vielleicht geht die Internationalisierung mit Salesforce noch umfangreicher, ist dafür aber deutlich teurer. Eventuell kann der B2B-Store auf Shopware mehr, muss aber durch Profis eingerichtet und gewartet werden. Shopify Plus kann alles bereits von Haus aus und was es nicht kann, wird über Apps kosteneffizient und sicher ergänzt. Für die meisten Händler:innen daher die beste Wahl.

Reiseziel: Shopify Plus

Haben wir es nicht schon immer gesagt? Shopify ist in 98 von 100 Fällen das beste Shopsystem. Das bestätigt jetzt sogar unser neutraler Experte. Also: Zeit für deinen Wechsel! Migriere deinen Store gemeinsam mit uns zu Shopify Plus. Alles beginnt mit einem kostenlosen und unverbindlichen Erstgespräch. Schreib uns einfach. Falls du schon auf Shopify bist und denkst: „Da geht noch mehr“, dann freuen wir uns ebenfalls auf dich. Denn dein Projekt heißt Relaunch. Eine kurze E-Mail an uns genügt und wir bringen dich auf die Startrampe. Denn die Top Ten sollten für Deutschland bei der Digitalisierung mindestens drin sein. Alles andere ist einfach nur peinlich.

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