Magst du Musik? Dann besitzt du vielleicht auch Lautsprecher von Sonos – und hast dich im Frühjahr 2024 kolossal geärgert. Für alle, die nicht wissen, was los war: Das Unternehmen vollzog einen kompletten Relaunch seiner App und griff dabei ordentlich daneben.
User:innen beschwerten sich, dass wichtige Funktionen fehlten, Geräte sich nicht mehr ansteuern ließen (ein Horror am Wochenende für alle, die ihren Wecker auf fünf Uhr morgens stehen hatten), und manch ein Button sie in Endlosschleifen schickte. Zwischenzeitlich erwog Sonos sogar, zur alten App zurückzukehren, musste die Präsentation neuer Produkte hinauszögern und entließ 100 Mitarbeitende. Das totale Debakel.
Nun ist eine Website zwar keine App, aber eben auch Software. Damit du beim Relaunch deines Onlineshops also nicht ebenfalls Schiffbruch erleidest, haben wir diesen Guide für dich zusammengestellt. Hier findest du Antworten auf alle wichtigen Fragen. Zum Beispiel: Wann lohnt sich ein Relaunch? Welche Punkte sollten unbedingt auf der Checkliste stehen? Und was kostet ein Website-Relaunch überhaupt?
Los geht es aber wie immer mit den Grundlagen und der Frage:
Mit wem solltest du den Website-Relaunch durchführen?
Kommst du zu der Erkenntnis, dass deine Website dringend relaunchbedürftig ist, schließt sich unmittelbar die Frage nach der bestmöglichen Umsetzung an. Prinzipiell stehen dir zwei Wege offen:
Referenzen sind natürlich gut und wichtig, aber als Händler:in weißt du auch, wie wichtig dein Bauchgefühl sein kann. Höre auch für einen Relaunch auf sein Knurren und lass dich nicht von Marketing-Blinbling blenden.
Was ist ein Website-Relaunch?
Ein Website-Relaunch ist die vollständige Überarbeitung und anschließende Veröffentlichung einer bereits bestehenden Website. Dabei können sowohl optische, inhaltliche als auch technische Aspekte in das Projekt einfließen. Ziel eines Relaunches ist immer die Verbesserung der User-Experience mit all ihren positiven Auswirkungen: Mehr Conversions, eine geringere Bounce Rate, ein höherer Average Order Value etc.
Unterschied zwischen Relaunch und Redesign
Damit unterscheidet sich der Relaunch deutlich von einem Redesign: Bei einem Redesign wird eine Website lediglich optisch ein wenig aufgepeppt. Ein Relaunch dagegen umfasst strategische Fragen, kann zu einem vollständig neuen User Interface führen oder den Content einer Website für eine andere Zielgruppe optimieren. Als plastisches Beispiel: Wenn du das Gewürzregal in deiner Küche beizt, ist das ein Redesign. Wenn du außerdem noch die am häufigsten genutzten Gewürze ganz nach vorn einordnest, den Rest alphabetisch sortierst, endlich das vergammelte Steaksalz entsorgst und die Lücken in deiner Auswahl mediterraner Kräuter schließt, ist das ein Relaunch.Wann sollte der Website-Relaunch durchgeführt werden?
Ein Relaunch ist also alles andere als unaufwändig und sollte nur auf der Agenda stehen, wenn er sich wirklich lohnt. Mögliche Relaunch-Gründe können sein:-
Veraltetes Design: Wirf die Wayback Machine an. Wenn dein Store aussieht wie ein Shop von 2004, wird es Zeit für einen Relaunch.
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Mangelhafte User Experience: Hand in Hand mit dem Design geht meist die UX. Wenn dir die User:innen an allen Ecken und Enden abspringen und der Umsatz sinkt, ist dein Store wahrscheinlich nicht nutzerfreundlich.
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Neue Technologien: Okay, internetfähige Mobilgeräte sind nicht wirklich neu. Hoffentlich ist deine Website inzwischen responsiv.
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Schlechte SEO-KPI: Sprachassistenten haben die Art, wie Menschen suchen, gründlich verändert. Ist dein Content darauf optimiert?
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Neue Zielgruppe: Marktverschiebungen und Trends erfordern oft eine vollständige Neuausrichtung deiner gesamten Strategie. Frag mal bei Birkenstock, ob sie noch immer die Gesundheitslatschen sind.
- Wachsender Erfolg: Ja, auch das ist möglich. Aus deinen vier Kategorien sind inzwischen 40 geworden, neben Waren bietest du jetzt auch Dienstleistungen an und obendrauf gibt es jetzt ein eigenes Portal für Retouren. Aber irgendwie sieht alles zusammengestückelt und aufgepfropft aus. Zeit für den Website-Relaunch!
Mit wem solltest du den Website-Relaunch durchführen?

#1 Website-Relaunch selbst machen
Du kennst deinen Shop wie deine eigene Westentasche, stehst mit deiner Zielgruppe in Kontakt und bist Profi in deinem Marktsegment. Warum den Relaunch also nicht selbst durchführen? Das ist bestimmt auch am kostengünstigsten. Vielleicht, aber wir möchten Folgendes zu bedenken geben: Zunächst frisst ein Relaunch viel Zeit. Zeit, die du im normalen Arbeitsalltag womöglich einfach nicht hast. Außerdem wird die Sache schnell technisch; Programmierkenntnisse sind mehr als vorteilhaft. Zuletzt bist du zwar versiert in Sachen Handel, aber kennst du dich auch mit SEO, UX-Design oder Contentoptimierung aus? Eben.#2 Website-Relaunch mit einer Agentur
Vielleicht ist es also besser, den Website-Relaunch einer Agentur anzuvertrauen. Hier sitzen die Expert:innen für alle Herausforderungen, die einem auf dem Weg zu einer vollständig überarbeiteten Website begegnen können. So steht am Ende des Projekts wahrscheinlich ein Store, der deutlich besser performt als das alte Modell. Aber natürlich gibt es auch Mankos. Die besten Agenturen sind oft teuer; billige Klitschen dagegen produzieren nur Webschrott. Ganz besonders schlimm wird es, wenn du an eine abgehobene Designmanufaktur gerätst, die weder dich noch deine Zielgruppe versteht, aber trotzdem meint, alles besser zu wissen. Und jetzt?Unser Tipp
Ein Relaunch in Eigenregie ist meist keine gute Idee – allein schon, weil dir der unverstellte Blick von außen fehlt. Für deinen Website-Relaunch sollte eine Agentur also in jedem Fall mit ins Boot geholt werden. ABER: Achte darauf, dass dich das Team dort komplett in den Relaunch-Prozess involviert! Das beginnt bereits beim Erstgespräch. Will man dir nur ein möglichst großes Paket verkaufen oder werden zielführende Fragen gestellt, die deine Probleme lösen? Gibt es danach regelmäßige Meetings mit Updates und besteht die Möglichkeit, dass du selbst einen Teil der Aufgaben übernimmst, selbst wenn es nur die Auswahl der Form- und Farbsprache deiner neuen Website ist?Referenzen sind natürlich gut und wichtig, aber als Händler:in weißt du auch, wie wichtig dein Bauchgefühl sein kann. Höre auch für einen Relaunch auf sein Knurren und lass dich nicht von Marketing-Blinbling blenden.
Projektstrukturplan Website-Relaunch: Wie läuft ein Relaunch ab?
Du hast deine Agentur gefunden? Wunderbar! Wenn sie gut ist, läuft der Prozess jetzt strukturiert durch und wir müssen dir nichts mehr erklären. Solltest du den Relaunch allerdings tatsächlich selbst durchführen oder überprüfen wollen, ob deine Partneragentur auch sauber arbeitet, benötigst du idealerweise einen Projektstrukturplan zum Website-Relaunch. Orientiere dich am besten an unserer Website-Relaunch-Checkliste.Website-Relaunch Checkliste
#1 Ziele definieren
Losgehen sollte es für den Relaunch immer mit einem ausführlichen Erstgespräch: Gemeinsam mit der Agentur definierst du exakt, welche Ziele der Relaunch hat. Je präziser du deine Absichten formulierst, desto besser. Mögliche Ziele könnten sein:-
Eine verbesserte Conversion Rate: Dabei definieren, welche Conversions wichtig sind: Etwa Anmeldung zum Newsletter, Download der App, Verkauf, Lead-Generierung, Reichweite …
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Mehr Umsatz: Über welche KPI soll der Umsatz verbessert werden? Average Order Value, Customer Lifetime Value, Return On Advertising Spend und so weiter.
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Mehr Sichtbarkeit für Keywords: Du willst nicht einfach Traffic, du willst qualitativen Traffic. Ein Suchbegriff wie „alles gratis“ sorgt zwar für Visits, aber nicht für Umsatz.
- UX verbessern: Gibt es regelmäßige Klagen zur Bedienung deiner Website und was wünschen sich deine Besucher:innen an Features und Funktionen?
- spezifisch,
- messbar,
- erreichbar,
- relevant
- und in einem absehbaren Zeitraum umzusetzen.
#2 Die Buyer Persona definieren
Im nächsten Schritt heißt es, herauszufiltern, wen du mit deinem Auftritt im Web überhaupt abholen möchtest. Auch dabei gilt: Je detaillierter du vorgehst, desto besser. Gute Marketeers sprechen deshalb nie von deiner Zielgruppe, sondern immer von deiner Buyer Persona. Denn eine Zielgruppe wäre etwa einfach „Jugendliche“. Eine Buyer Persona dagegen ist „Marvin, 16 Jahre alt, wohnt in einer Großstadt, besucht das Gymnasium und bereitet sich gerade auf die Oberstufe vor, jobbt nebenbei im nahen Supermarkt, seine Eltern sind beide berufstätig, in seiner Freizeit spielt er Wasserball und geht auf Partys.“ Und das ist noch kurz; eine echte Buyer-Persona-Analyse umfasst meist mehrere Seiten. Was der Aufriss soll? Je genauer du deine:n Wunschkund:in definierst, desto gezielter kannst du sie ansprechen. Wenn du dann unseren Beispiel-Marvin als Kunden gewonnen hast, gewinnst du auch alle anderen Menschen, die ihm ähnlich sind. Denn vergiss nicht: Wer alle abholen will, holt meist niemanden ab. Auch innerhalb einer bestimmten Gruppe sind Menschen immer heterogen. Der eine Jugendliche, die eine Studentin oder das eine Rentnerehepaar existieren nicht.#3 Website Audit
Ziele definiert, Buyer Persona bestimmt – dann heißt es nun, deine aktuelle Website gründlich zu analysieren, um alle Schwachstellen zu finden. Denn nur, wenn du weißt, wo es hakt, kannst du die Probleme mit einem Relaunch auch gezielt abstellen. Die Analyse sollte Folgendes umfassen:-
UX-Analyse: Wie gut lässt sich deine Website bedienen? An welcher Stelle entstehen die meisten Abbrüche? Welche Funktionen fehlen? Wo brauchen User:innen sehr lange, um eine Schaltfläche zu finden oder eine Eingabe zu tätigen?
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Content-Analyse: Passt dein Content zur Buyer Persona? Stimmen Wording, Länge und Tonalität deiner Texte? Stellst du ausreichend Informationen zu deinen Produkten bereit und verwendest du aussagekräftige Produktbilder?
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SEO-Analyse: Richten sich deine Keywords an Menschen oder doch nur an die Maschine? Deckst du auch Nebenkeywords und Synonyme ab? Passt die Keyworddichte? Und entstehen trotz aller SEO-Maßnahmen immer noch organische Texte?
- Konkurrenz-Analyse: Was machen deine Marktbegleiter? Welche Keywords decken sie ab und wo gibt es Lücken? Mit welcher USP kannst du dich von ihnen abgrenzen? Oder gibt es Möglichkeiten, über den Content für ein Alleinstellungsmerkmal zu sorgen?
#4 Website-Konzeption
Bis jetzt sollte geklärt sein, was mit dem Relaunch erreicht werden soll, wen deine Website nach dem Relaunch anspricht und wo die Schwachpunkte der aktuellen Seite liegen. Jetzt folgt der schwierigste Schritt: Ein Konzept entwickeln, wie die gesteckten Ziele möglichst effizient und in einem sinnvollen Zeitrahmen erreicht werden können. Dass es hier keinen universellen Masterplan geben kann, dürfte einleuchten. Schließlich ist jedes Relaunch-Projekt individuell, und die beste Lösung hängt von etlichen Faktoren ab; angefangen bei den definierten Zielen hin zu den verfügbaren Ressourcen. Deshalb spielt die Erfahrung deiner Partneragentur hier die entscheidende Rolle. Im Idealfall hat sie schon viele Relaunches durchgeführt und weiß, wie sie am besten vorzugehen hat. Ob das der Fall ist, merkst du vor allem, wenn:-
Du in den Prozess involviert wirst: Für deinen Website-Relaunch präsentiert dir eine gute Agentur nicht einfach ein fertiges Konzept. Sie stellt immer wieder Rückfragen, hört auf deine Expertise, macht aber auch klare Ansagen, falls du eine Schnapsidee hast.
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Du das Konzept logisch nachvollziehen kannst: Alle Maßnahmen ergeben für dich Sinn und laufen auf das Erreichen der definierten Ziele hinaus.
- Du dich selbst im Konzept wiedererkennst: Du musst mit Überzeugung sagen können: „Ja, das sind meine Brand und meine Zielgruppe.“ Keinesfalls darfst du den Eindruck haben, dass dir etwas verkauft werden soll, was du gar nicht bist.
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Ein iteratives Vorgehen: Zwischenergebnisse werden regelmäßig präsentiert und zur Diskussion gestellt. So lässt sich auf Änderungswünsche schnell reagieren, ohne das ganze Projekt zu verzögern.
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Kleine Ziele: Teile und herrsche! Ein Relaunch ist eine große Herausforderung, aber wenn die Agentur jeden Job in kleine Aufgaben zerlegt, lässt sie sich trotzdem fehlerfrei und zügig bewerkstelligen.
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Einfache Kommunikation: Sollte dir im Nachgang an eine Präsentation doch noch etwas einfallen, muss deine Agentur schnell erreichbar sein. E-Mails, die erst nach zwei Wochen beantwortet werden, sind ein No-Go.
- Klare Aufgabenverteilung: Bestenfalls arbeitet an jedem Aspekt des Relaunches ein eigener Profi: die Texterin am Content, der UX-Designer an den Menüs und die Techies am Backend. Gleichzeitig fließen auch deine Fähigkeiten (und die deines Teams) in das Projekt mit ein.
#6 Unbedingt testen
Alle, die schon einmal in der Softwareentwicklung gearbeitet haben, wissen: Ein gründlicher Betatest ist unglaublich wichtig – und wird trotzdem gerne vernachlässigt. Diesen Fehler begehst du bitte nicht bei deinem Website-Relaunch und sollte deine Agentur ihn begehen, dann suche dir schnell eine andere. Bevor du deine neue Website launchst, kontrolliere:- Die korrekte Darstellung auf einer Vielzahl von Displays.
- Ob alle Funktionen tadellos arbeiten – vom Artikelfilter bis zum Checkout.
- Dass der Content überall korrekt ist, denn beim Website-Relaunch ist auch der Text unheimlich wichtig. Fehler beim Copy-Pasten passieren schnell.
- Ob sich irgendwo tote Links eingeschlichen haben.
- Dass sämtliche HTML-Flags korrekt gesetzt wurden.
- Alles, was sonst noch an Fehlern vorkommen kann.